Der Stern – Tarotkarte Nr 17 . Bedeutung

Manuel G | 13. April 2021

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Die als Herrin der Erde und des Meeres bezeichnete Göttin erscheint auf dem 17. Trumpf wieder. Ihr früheres Ebenbild, die Herrscherin, war bekleidet, aber jetzt erscheint sie enthüllt, nackt oder wie es im Tantrismus heißt »himmelsbekleidet« (digambara). Die Abbildungen der Sternenkarte wichen nur selten voneinander ab. Praktisch alle Karten stellten die Nackte Göttin dar, die die Lebenswasser aus zwei Gefäßen (oder Brüsten) über das Land und das Meer fließen ließ, während sieben Sterne mit einem großen Stern in deren Mitte am Himmel erstrahlten.

Die Karte war ebenfalls der Stern der Isis - ein Symbol für die jährlichen Überflutungen des Nils, die dem Land Ägypten die Nahrung des Lebens brachten. Isis wurde zur Quelle der Lebenswasser für alle Seelen, die ihre Reise zum Sternenhimmel antraten. Sie wurde dargestellt, wie sie die Wasser für die Seelen ausgoß, die zu ihr kamen. Nach der Einweihung in ihre Mysterien wurde ihren Verehrern folgendes versprochen: »Du wirst im Himmel erscheinen, du wirst den Himmel durchqueren, du wirst neben den Göttern der Sterne sein.«

In den Texten der Hermesverehrer wird die gleiche Sternengöttin als Mutter Isis angerufen; in Karthago war sie die Himmlische Jungfrau oder Astroarche, die Königin der Sterne. Die Göttin wurde gewöhnlich von sieben Priesterinnen begleitet; auch der große Stern auf der Tarotkarte ist von sieben kleineren Sternen umgeben. Prophezeiungen der karthagischen Sieben waren im gesamten Römischen Reich im Umlauf und rivalisierten sogar mit der Autorität der kumäischen Sibyllen. Sieben Orakelpriesterinnen begleiteten Astarte in Syrien, Ishtar in Babylonien, Esther in Elam, Ashtoreth in Palästina, Ostara oder Eostre in Nordeuropa; alle diese Namen beziehen sich auf den gleichen »Stern« und der letztere wurde zur Namensgeberin unseres >Ostern<.

Die orakelhaften Sieben waren ehemals die sieben Weisen von Arabien, von denen man sagte, sie seien weiblich gewesen. Man kannte sie als die »Sieben Säulen der Weisheit< und ihre Weisheitssprüche waren die »Perlen der Weisheit^ Auch die Bibel spricht von der Göttin der Weisheit, die »ihre sieben Säulen behaute (meißelte)« (Sprüche 9,1).

Die heiligen sieben Schwestern auf Erden hatten ihre Ebenbilder im Himmel. Eine siebensternige Konstellation wurde als Aufenthaltsort ihrer Seelen angesehen, die in Form von Tauben zur Erde hinabflogen, um die Priesterinnen während ihrer Ordination in Besitz zu nehmen. Die Griechen nannten die sieben Schwestern >Piejaden<, d.h. »eine Schar Tauben«/ Herodotus sagte, daß sieben heilige Frauen, die man Tauben nannte, die Orakel von Dodona, Epirus und Theben Amon gründeten.Andere sagten, die Siebengestirne wären alle Töchter der Aphrodite, deren Totem eine Taube war und deren Name auch Pleione, »Königin des Meeres« lautete/ Ein anderer ihrer Namen, Stella Maris, »Stern des Meeres«, wurde später vom Christentum übernommen und der Jungfrau Maria zugesprochen. Das Bild, wie der heilige Geist wie eine Taube bei der Taufe Jesu< auf ihn herabkam, war eine andere Nachbildung der Ikonographie der alten Göttin.

Eine der griechischen Plejaden war Maia, die >Großmutter< oder >die Erschafferin<, die Hermes, den Erleuchteten gebar. Sie ist eine Ableitung aus Kali-Maya, der Erschafferin, die Buddha, den Erleuchteten, gebar. In Indien waren alle Plejaden Emanationen Kalis. Man kannte sie als die Sieben Mütter der Welt oder Krittikas, was »Rasiermesser«, »Messer« oder »Richter« bedeutet; sie waren die kritischen Richterinnen der Menschen. Dieser Name wurde im Griechischen zu kritikos, d.h. Richter,

Der Grund, warum die ursprünglichen hinduistischen Siebengestirne »Rasiermesser« genannt wurden, kann in Zentralamerika gefunden werden, wo eine ganze Nation Maya genannt wurde und die Plejaden eine sehr wichtige Stellung am Himmel einnahmen. In der letzten Nacht des großen Jahres wurde den Plejaden auf dem Hügel der Sterne ein Erlöser namens >Unser Herr, der Gehäutete< geopfert wurde. Wie der >rote Gott< der Hindus, Rudra, und sein griechisches Ebenbild Marsyas oder Mars, wurde das Opfer mit Messern zerschnitten und seine Haut vom Hohepriester getragen. Die Mexikaner glaubten, wenn diese Zeremonie nicht zur rechten Zeit stattfinde, würde die Konstellation der Plejaden am Zenith anhalten und die Welt zu bestehen aufhören. Das Blut des Opfers ließ die Wasser des Frühlings wieder fließen.

Das jährliche tibetische Fest der »Befreiung der Frühlingsgewässer« wird durch das Aufgehen des Hundesterns, eines Gottes namens Rishi-Agastya, angekündigt. Das Aufgehen des gleichen Sterns bedeutete für die Menschen in Ägypten die Ankündigung der Nilfluten. Sie nannten diesen Stern Sothis (Sirius), die Seele des Osiris im Himmel zwischen seinen neuen Inkarnationen. Osiris wurde nicht gehäutet, sondern zerstückelt; dennoch war er der typische Erlöser, dessen Tod neues Leben in die Welt brachte. Der Aufgang seines Sterns wurde von den drei weisen Männern, den Magi, verkündet; diese waren die drei Sterne am Oriongürtel, die in Richtung des Hundesterns zeigten. »Stern der Magi« war gleichfalls eine Bezeichnung für den Tarotstern.

Aus diesen Hinweisen läßt sich schließen, daß sich im Tarot eine uralte Tradition verkörperte, die sowohl in Indien, Griechenland, Ägypten und sogar im vorkolumbischen Mexika verbreitet war, und die mit der Erneuerung der »Wasser« oder der Fruchtbarkeit zusammenhing. Auch Jesus wurde aus den »Wassern« (maria) geboren; die Göttin Mari-Ishtar, der Stern der Meere, wurde einstmals in Jerusalem als Gemahlin Gottes verehrt.

In Kleinasien wurde die Sternengöttin Artemis Karyatis genannt und häufig in Form einer Säule verehrt. Die Abbildungen ihrer sieben Priesterinnen hießen karyatides, die ursprünglichen »Pfeiler der Kirche«, die mit weiblichen Formen ausgestattet waren. Man kann diese heute noch in griechischen Tempeln besichtigen. Artemis beherrschte alle Sternenseelen im Himmel, bis Zeus, der Gott der patriarchalischen Hellenen, deren Autorität an sich riß.i5 Als Göttin der Tiere erschien sie manchmal auch als Bärin in der Konstellation des Großen Bären, einem Siebengestirn, das größer als die Plejaden ist.

Diese Konstellation wurde von den alten Völkern wegen dessen beherrschender Stellung am Mittelpunkt des Himmels um den Polarstern verehrt. Von den nördlichen Breitengraden aus betrachtet, war sie der Mittelpunkt des galaktischen Rades, der niemals so wie die Tierkreiszeichen am Horizont untertauchte. Da Artemis auch mit dem Mond gleichgesetzt wurde, wurden die sieben hellen Sterne des Großen Bären wahrscheinlich als deren Begleiterinnen, Nymphen oder Horae betrachtet, die die axis mündig den Polarstern bewachten. Nicht nur die Griechen, sondern auch andere europäische Völker wie z.B. die Helvetier verehrten Artemis. Bei ihnen hieß sie Artio, die Bernerin (Bärin). Ihr Bild schmückt noch heute das Wappen der Stadt Bern.

In vielen verschiedenen mythischen Vorstellungen kann man diese alte Göttin aufspüren; sie beherrschte die Sterne zu einer Zeit, als man dachte, diese wären gesegnete Seelen am Himmel; durch ihre geheimnisvollen Bewegungen offenbarten Helden, Götter, Märtyrer, verstorbene heilige Könige und Erlöser, Tiergottheiten und Orakelgeister das Schicksal der Menschen. Und die Göttin bestimmte deren Bewegungen. Einige sandte sie auf die Erde, um in menschlichen Körpern geboren zu werden. Einige sandte sie in den Himmel, wenn sich ihre irdischen Kreisläufe erfüllt hatten. In ländlichen Gebieten sagt man bis heute, eine Sternschnuppe sei eine Seele, die auf die Erde herunterkäme, um empfangen oder geboren zu werden. Der Astralkörper der Mystiker ist im wörtlichen Sinne ein Sternenkörper; hier liegt die alte Vorstellung zugrunde, daß der innere Geist ein Stern war oder sein wird. Die Griechen nannten den Astralkörper einen »ätherischen Körper«, d.h. er war aus Äther oder Sternenstaub, jenem fünften Element, das - wie man annahm - noch dünner als das Feuerelement war.

Nach der Zerstörung des Gotteshauses kann man das Wiederauftauchen der Göttin in der Großen Arkana als ein Symbol der Wunscherfüllung der nach-revolutionären Welt betrachten, in der die Göttin ihren rechtmäßigen Platz wieder einnehmen würde. Vielleicht lehrten die Gnostiker, daß jene Göttin zu den Seelen freundlicher sein würde als der Gott der Kirche, der es so schwer machte, in den Himmel zu gelangen. Wie der alte >Stern des Ostens<, Astarte, war sie die »wahre Herrscherin der Welt. Sie hatte die Oberherrschaft über die fortwährende Erneuerung des Lebens durch die Liebe und die Wiedergeburt.« Ihre Abbildung auf der Karte >Der Stern< schien die »grünen Auen und stillen Wasser« des Paradieses von Isis und Osiris darzustellen, die zuerst in den ägyptischen Schriften erwähnt und später in einen biblischen Psalm auf genommen wurde. Sie war mit Sicherheit keine christliche Erscheinung, aber ihr Auftreten vermittelte offenbar ein Gefühl des Friedens und der heiteren Gelassenheit.

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